Fisch des Jahres 2027: Die Karausche

Seit dem 2. November 2026 steht es fest: Die Karausche (Carassius carassius) ist der Fisch des Jahres 2027. Der Deutsche Angelfischerverband (DAFV), das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Gesellschaft für Ichthyologie (GfI) machen damit auf eine einst weit verbreitete und heute vielerorts stark gefährdete Fischart aufmerksam.

In der öffentlichen Online-Abstimmung setzte sich die Karausche mit 59,07 % der 8.200 gültigen Stimmen klar gegen das Flussneunauge (24,77 %) und den Nordseeschnäpel (16,16 %) durch. Für die Karausche ist es nicht der erste Titel: Schon 2010 war sie Fisch des Jahres.

Steckbrief: So erkennen Sie die Karausche

  • Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
  • Körper: hochrückig und seitlich abgeflacht, große Schuppen, nach außen gewölbte Rückenflosse, keine Barteln (anders als beim Karpfen)
  • Farbe: goldbraun über messingfarben bis oliv, Bauchseite heller
  • Größe: meist 20 bis 35 Zentimeter, dokumentiert sind bis zu 64 Zentimeter
  • Geschlechtsreife: im dritten bis vierten Lebensjahr
  • Laichzeit: Mai und Juni, die klebrigen Eier werden an Wasserpflanzen in flachen, stark verkrauteten Uferzonen abgelegt
  • Nahrung: Zooplankton, Insektenlarven, Kleinkrebse, Würmer und pflanzliches Material
  • Gefährdung: bundesweit „stark gefährdet“ (Rote Liste der Süßwasserfische und Neunaugen)

Lebensraum: kleine, verkrautete Stillgewässer

Die Karausche ist eine Charakterart flacher, dicht bewachsener Stillgewässer. Sie lebt in naturnahen Teichen, Weihern, Altarmen und Gräben mit viel Unterwasservegetation. Gerade diese Spezialisierung macht sie verwundbar, denn solche Kleingewässer sind in Mitteleuropa stark zurückgegangen und werden oft gar nicht als schutzwürdig erfasst.

Wasserlinsen auf einem Teich
Wasserlinsen auf einem kleinen Teich: Karauschen leben in flachen, pflanzenreichen Stillgewässern. Quelle: Pixabay

Überlebenskünstlerin ohne Sauerstoff

Die Karausche kommt mit Sauerstoffmangel besser zurecht als fast jeder andere heimische Fisch. Bei winterlichen Temperaturen übersteht sie mehrere Monate in nahezu sauerstofffreiem Wasser, auch unter einer Eisdecke. Möglich macht das ein besonderer Stoffwechselweg: Statt Milchsäure bildet sie Ethanol, das sie über die Kiemen ans Wasser abgibt. So reichern sich keine giftigen Stoffwechselprodukte im Gewebe an. Die Fähigkeit ist allerdings an die Kälte gebunden. Bei sommerlichen Temperaturen hält die Karausche ohne Sauerstoff nur etwa einen Tag durch.

Karausche oder Giebel? Der schwierige Unterschied

Von den eingeführten Verwandten ist die Karausche äußerlich nur schwer zu unterscheiden. Als Merkmale gelten die nach außen gewölbte Rückenflosse und das helle Bauchfell, das beim Giebel dunkel pigmentiert ist. Bei Hybriden lässt sich die Art im Gelände oft nicht sicher bestimmen. Wer eine vermeintliche Karausche fängt, sollte deshalb genau hinschauen.

Kleiner Karpfenfisch der Gattung Carassius in der Hand
Kleiner Karpfenfisch der Gattung Carassius: Ob Karausche, Giebel oder Hybrid, lässt sich auf dem Foto nicht sicher sagen. Quelle: Pixabay

Warum die Karausche gefährdet ist

Zwei Ursachen stehen im Vordergrund:

  • Verlust des Lebensraums: Kleingewässer verlanden, werden entschlammt, am Ufer befestigt oder durch Nährstoffeinträge so verändert, dass die Unterwasserpflanzen verschwinden.
  • Konkurrenz und Kreuzungen: Der Giebel wurde erst nach 1945 nach Mitteleuropa eingeführt, ist konkurrenzstärker und verdrängt die Karausche. Auch ausgesetzte Goldfische aus Gartenteichen und Aquarien kreuzen sich mit ihr. Genetisch reine Karauschenbestände werden dadurch immer seltener.

Karausche in Mecklenburg-Vorpommern und auf Rügen

Die Lage ist regional sehr unterschiedlich. In Nordrhein-Westfalen gilt die Karausche als vom Aussterben bedroht, in Mecklenburg-Vorpommern dagegen als ungefährdet. Wie häufig sie in einem bestimmten Gewässer auf Rügen vorkommt, lässt sich pauschal nicht sagen. Verlässliche Auskunft geben Angelvereine, Gewässerwarte und die zuständige Fischereibehörde.

Karauschen angeln: Hinweise für Angler

Weil die Art bundesweit stark gefährdet ist, gilt für Angler besondere Sorgfalt: Informieren Sie sich vorab über die Regelungen am jeweiligen Gewässer und über Schonzeiten und Mindestmaße. Aktuelle Informationen zu Erlaubnisscheinen in Mecklenburg-Vorpommern finden Sie unter erlaubnis.angeln-mv.de. Als allgemeine Orientierung: Karauschen beißen am ehesten an einer feinen Posenmontage mit kleinem Haken und Köder wie Made, Wurm, Mais oder Teig, besonders in den ruhigen Morgen- und Abendstunden an verkrauteten Uferzonen.

Was der Karausche jetzt hilft

  • Kleingewässer erhalten und neu anlegen, besonders flache und vegetationsreiche
  • In bekannten Karauschengewässern auf Entschlammung und Uferverbau verzichten
  • Nährstoffeinträge aus dem Umfeld verringern
  • Refugialgewässer sichern, also Gewässer mit verbliebenen Restbeständen
  • Keine Goldfische oder Giebel aussetzen
  • Besatz nur mit genetisch nachgewiesen reinen Karauschen und nur, wenn der Lebensraum gesichert ist

Angelvereinen kommt als Bewirtschaftern kleiner Stillgewässer dabei eine besondere Verantwortung zu.

Fazit: Ein Botschafter für kleine Gewässer

Mit der Karausche rückt 2027 keine spektakuläre Art, sondern ein unscheinbarer Überlebenskünstler in den Mittelpunkt. Sie steht für Teiche, Gräben und Altarme, die schnell übersehen werden und doch für den Artenschutz zentral sind. Wer auf Rügen unterwegs ist, sollte beim Blick aufs Wasser auch die kleinen Gewässer am Wegesrand im Blick behalten. Ausgangspunkt für Touren an Bodden und Küste sind die Ferienwohnungen am Gut Grubnow.

Quelle: Deutscher Angelfischerverband (DAFV): Die Karausche ist Fisch des Jahres 2027

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